Die 13-jährige Rokaja Abu Eid ist am Samstagmorgen mit einem Messer auf einen Wachmann vor der israelischen Siedlung Anatot im Westjordanland zugelaufen. Der Israeli habe das Feuer eröffnet und das Mädchen erschossen, berichtet die Tageszeitung „Ha‘aretz“. Sicherheitskameras zeigen, wie die Palästinenserin hinter dem Wachmann her rennt, er sich umdreht und schießt. Die 13-Jährige wurde am Samstag beigesetzt.
Die Mutter des Mädchens sagte gegenüber „Ha‘aretz“: „Ich kann nicht glauben, dass sie versucht hat, jemanden zu erstechen, und dass sie es getan hat. Wir sprechen über eine 13-Jährige. Wie kann sie Soldaten erstechen und verletzen?“ Der Vater erklärte, der Wachmann habe eine Art Todesstrafe vollstreckt. „Sie war ein kleines Mädchen. Es gab keinen Grund der Welt, sie zu erschießen und zu töten.“ Um sich zu schützen, hätte der Wachmann seiner Tochter in die Beine schießen könne, sagte der Vater weiter.
Die Polizei teilte nach ersten Ermittlungen mit, das Mädchen habe sich offenbar mit seinen Eltern gestritten. Es sei morgens von zu Hause mit einem Messer weggerannt und habe erklärte, sie wolle sterben. Die Familie weist diese Angaben zurück.
Ein nicht namentlich genannter jugendlicher Verwandter des Mädchens sagte gegenüber dem israelischen Fernsehsender „Kanal 2“, die Palästinenserin sei durch andere Terroristen zu der Tat inspiriert worden. „Sie hatte diesen Drang. Das war der Grund. Sie sah die Märtyrer von (ihrem Wohnort) Anata oder sah die Prozessionen oder sah im Fernsehen, wie sie starben und ihre Beerdigungen“, so der Jugendliche.
Der israelische Abgeordnete Esawi Freige von der linksgerichteten Meretz-Partei verurteilte die Schüsse auf das Mädchen: „Selbst wenn sie ein Messer hatte, wäre es möglich gewesen, ein Mädchen in diesem Alter festzunehmen, anstatt sie zu töten.“