„Wikileaks“-Gründer Assange ein Antisemit?

LONDON (inn) - Ist der Gründer und Chef der Enthüllungsplattform "Wikileaks", Julian Assange, ein Antisemit? Darüber diskutieren derzeit verschiedene Medien. In einem Telefonat mit einem britischen Journalisten soll sich Assange als Opfer "jüdischer Organisationen" bezeichnet haben.

Der 39-jährige "Wikileaks"-Gründer Assange sitzt derzeit in Grossbritannien unter Hausarrest, weil gegen ihn zwei Vergewaltigungsvorwürfe erhoben wurden. Das Gericht hat der Auslieferung an Schweden mittlerweile zugestimmt. Mitte Februar hatte er mit dem Chefredakteur des britischen Magazins "Private Eye", Ian Hislop, telefoniert. Der gebürtige Australier wollte sich über einen kritischen Artikel über ihn beschweren. Im Laufe der Gesprächs, so berichtet Hislop, habe Assange ihm gesagt, wen er wirklich hinter der schwedischen Anklage und das britische Auslieferungsurteil vermutet: Journalisten, Juristen und Organisationen, "die alle jüdisch sind".

Hislop schrieb in einem Artikel von dem Anruf, von dem es keine Aufzeichnungen gibt. Assange sprach demnach davon, dass die britische Medienverschwörung vom "Guardian" und dessen Chefredakteur Alan Rusbridger angeführt werde. Dieser ist selbst zwar kein Jude. Doch habe der Wikileaks-Gründer ihn als "irgendwie jüdisch" bezeichnet, weil sein Schwager, der "Guardian"-Redakteur David Leigh, Jude ist. Assanges Beschwerde richtete sich gegen einen früheren "Private-Eye"-Beitrag, demzufolge der als angeblicher Holocaust-Leugner umstrittene russisch-israelische Journalist Israel Shamir ein enger Vertrauter Assanges sei. Der Londoner "Jewish Chronicle" spricht von einem "bizarren Interview", und das "New York Magazine" fragt, ob der Wikileaks-Gründer Antisemit sei.

Assange hat die Vorwürfe von sich gewiesen. "Hislop hat praktisch jede wichtige Behauptung und Phrase verzerrt, erfunden oder sich falsch erinnert", teilte er mit. Shamir bezeichnet sich zwar auf seiner Webseite israelshamir.net als Unterstützer von Wikileaks, doch die Organisation betont, dass Shamir nie für sie gearbeitet habe.

Die deutsche "Jüdische Allgemeine" berichtet, dass Assange zumindest regen Kontakt zu den schwedischen Journalisten Johannes Wahlström, Shamirs Sohn, und Donald Boström pflegte: "In der Vergangenheit waren die beiden immer wieder durch antisemitische Beiträge aufgefallen. Boström löste zuletzt im Jahr 2009 weltweite Empörung mit einem Artikel in der schwedischen Zeitung Aftonbladet aus. Darin hieß es, israelische Ärzte würden tote Palästinenser gezielt wegen ihrer Organe ausschlachten, um jüdische Patienten zu retten. Sein Kollege Wahlström schmückt sich dagegen gern damit, im linken schwedischen Magazin ‚Ordfront‘ (Wortfront) zu publizieren. In einem Artikel aus dem Jahr 2005 stellte er die These auf, die schwedischen Medien würden von ‚jüdischen Interessen‘ manipuliert."

Weiter erinnert die "Jüdische Allgemeine" an eine Vortragsreise Assanges nach Schweden Mitte August 2010. "Eingeladen worden war der Star-Whistleblower von der ‚Broderskapsrörelsen‘ (Bruderschaftsbewegung), einer protestantischen Gruppierung. In Wirklichkeit handelt es sich dabei jedoch offenbar um eine Vereinigung mit antisemitischen und antiisraelischen Tendenzen. "Die angebotenen Vorträge lauten beispielsweise ‚Irak, Palästina, Afghanistan – die gleiche Okkupation?‘, als Redner verpflichtet man gern international bekannte Judenhasser wie den Islamisten Azzam Al-Tamimi, der in Interviews immer wieder palästinensische Selbstmordattentate rechtfertigte und zur Auslöschung Israels aufrief."

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