Stef Wertheimer: Erfolgreicher Unternehmer und Philanthrop

Er war eine Zeit lang der reichste Israeli, initiierte Industrieparks im Grenzgebiet und erhielt zahlreiche Preise für sein Engagement. Nun ist der in Deutschland geborene Industrielle Stef Wertheimer mit 98 Jahren gestorben.
Von Jörn Schumacher

Der Industrielle und Philanthrop Stef Wertheimer hat mit seinen Unternehmen und Investitionen das Land Israel sehr geprägt. Auch eine kurze politische Karriere gehörte zu seinem Leben. Mit einem geschätzten Vermögen von 6,3 Milliarden US-Dollar war er 2024 der sechstreichste Israeli. Wertheimer landete zuletzt auf Platz 279 der Bloomberg-Liste der 500 reichsten Menschen der Welt.

Stef Wertheimer wurde am 16. Juli 1926 in Kippenheim nahe Lahr im Schwarzwald geboren. 1937 flüchtete seine Familie vor antisemitischer Verfolgung in das britische Mandatsgebiet Palästina – zu diesem Zeitpunkt war Wertheimer elf Jahre alt. 1943 meldete er sich freiwillig als Experte für optische Geräte bei der britischen Royal Air Force und arbeitete in Bahrain als Optiktechniker. 1947 arbeitete er in der illegalen Rüstungsindustrie der Hagana und diente nach der israelischen Staatsgründung im Unabhängigkeitskrieg als technischer Offizier. Er war als Entwickler verschiedener Waffen bekannt.

Kleine Firma schnell erfolgreich

In der nordisraelischen Küstenstadt Naharia gründete Wertheimer 1956 eine kleine Metallverarbeitungsfirma namens „Iscar”. Die Firma war schnell erfolgreich und erregte die Aufmerksamkeit von Investoren.

Im Jahr 2006 schloss Wertheimer einen der größten Deals in der israelischen Wirtschaftsgeschichte ab: Er verkaufte 80 Prozent von „Iscar”, das inzwischen zu einem weltweit führenden Unternehmen seiner Branche geworden war, für 4 Milliarden Dollar an Berkshire Hathaway. Die restlichen 20 Prozent wurden 2013 für 2 Milliarden Dollar an die Firma in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska veräußert. Heute ist das Unternehmen einer der größten Werkzeughersteller der Welt und beschäftigt etwa 6.000 Mitarbeiter.

Zudem gründete er 1969 „Blades Technology”, eine Firma zur Herstellung von Triebwerksteilen, in der Araber, Juden und Christen miteinander arbeiteten. So umging er das französische Waffenembargo gegen Israel nach dem Sechs-Tage-Krieg von 1967. Im Jahr 2014 kaufte der US-Triebwerkhersteller „Pratt & Whitney” die Mehrheitsanteile an dem Unternehmen.

Vier Jahre in der Knesset

Der kurze Ausflug in die Politik begann 1981: Wertheimer wurde für die zentristische Partei „Demokratische Bewegung für den Wandel“ in die Knesset gewählt. Nach vier Jahren trat er zurück und widmete sich wieder seiner industriellen Tätigkeit. Er gründete nahe der libanesischen Grenze die Stadt Kfar Vradim mit dem Ziel, Industrie und Gesellschaft zu verbinden.

Außerdem baute Wertheimer Industrieparks in Israel, unter anderem in Tefen, Omer, Tel Hai und Nazareth. Der Park in Nazareth sollte das jüdisch-arabische Zusammenleben fördern. Der Unternehmer war überzeugt, dass Industrieparks an der Grenze zwischen Israel und seinen Nachbarländern Arbeitsplätze schaffen könnten, damit es weniger Terrorismus gibt. Wertheimer ist unter anderem Gründer des Museums Tefen in Nordisrael, das sich mit der Geschichte der deutschstämmigen Zuwanderer in Israel auseinandersetzt.

Zahlreiche Auszeichnungen

Für seinen Beitrag für die israelische Gesellschaft und für den Staat Israel erhielt Wertheimer 1991 den „Israel-Preis”. Außerdem wurde er unter anderem mit dem Rothschild- und dem Jigal-Alon-Preis ausgezeichnet. Im Jahr 2008 erhielt er die Buber-Rosenzweig-Medaille des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit. 2012 bekam er das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland überreicht.

Im Jahr 2010 wurde Wertheimer der „Oslo Business for Peace Award” übergeben – für die Ermutigung, die er jungen Israelis und Palästinensern beim Eintritt in das produzierende Gewerbe zuteil werden lässt, wie die Jury mitteilte. Wertheimer glaube an die Bedeutung der Qualität der technischen Ausbildung, als Grundlage für eine bessere Gesellschaft, hieß es weiter.

Der Unternehmer war verheiratet und hatte vier Kinder. Eines von ihnen, der Industrielle Eitan Wertheimer, starb vor drei Jahren im Alter von 70 Jahren.

Am 26. März ist Stef Wertheimer gestorben. Er wurde 98 Jahre alt.

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Eine Antwort

  1. Begegnete Steff Wertheimer während meines Aufenthalts in Israel Mitte der 80ziger und Anfang/Mitte der 90iger und traf auf einen hervorragenden Gründer, ideenreichen Industriellen und Mäzenen.
    Israel hat ihm sehr viel zu verdanken; hoffe, das Land und die Israelis werden ihn gebührend ehren.

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