Orbán: Ungarn unterstützt kein Gericht, das Demokratien ins Visier nimmt

Bei seinem Besuch in Ungarn muss sich Netanjahu keine Gedanken um den Haftbefehl machen. Das Land ist nicht mehr Mitglied des Internationalen Strafgerichtshofes.
Von Israelnetz

BUDAPEST (inn) – „Ein stabiles Israel ist der Schlüssel für Stabilität im Nahen Osten.“ Diese Ansicht äußerte der ungarische Regierungschef Viktor Orbán (Fidesz) am Donnerstag auf einer Pressekonferenz mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud) in Budapest.

Orbán betonte, in keinem europäischen Land seien Juden so sicher wie in Ungarn. Er sei froh, dass sich die jüdische Gemeinschaft nach ihrer sehr schweren Vergangenheit dort nun sicher fühlen könne. Von den rund 800.000 ungarischen Juden hatten die Nationalsozialisten ab März 1944 etwa 565.000 ermordet. Dabei wurden sie von einheimischen faschistischen Pfeilkreuzlern unterstützt.

Der Regierungschef sagte weiter, anders als in Ungarn habe in Westeuropa der Antisemitismus ein beispielloses Ausmaß erreicht. Er führte den Anstieg vor allem auf illegale Massenmigration zurück. Dadurch werde Judenhass nach Europa importiert. In Ungarn hingegen seien keine Hamas-Flaggen zu sehen. Das südosteuropäische Land dulde keine Toleranz gegenüber Antisemitismus. Heute leben etwa 80.000 Juden in Ungarn.

Orbán erinnerte daran, dass er nach dem Terrormassaker vom 7. Oktober 2023 immer Israels Recht auf Selbstverteidigung betont habe. Er kritisierte den internationalen Haftbefehl gegen Netanjahu.

Ungarn aus Internationalem Strafgerichtshof ausgetreten

Kurz vor dessen Besuch war Ungarn aus dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag ausgetreten. Damit muss es dem Haftbefehl nicht Folge leisten. Als Grund für den Schritt nannte Orbán Veränderungen im System des IStGH.

Er selbst habe im Jahr 2000 die Beitrittsurkunde unterzeichnet, sagte der Regierungschef. Nun habe er das Austrittsdokument unterzeichnet. Denn der IStGH sei zu einem politischen Gericht geworden. „Wir werden nicht ein Gericht unterstützen, das Demokratien wie Israel für politischen Gewinn ins Visier nimmt. Ungarn verteidigt die Rechtsstaatlichkeit.“

Israelischer Premier dankt für Unterstützung

Netanjahu sagte, die ungarische Führung habe bemerkenswerte Dinge für Israel und das jüdische Volk getan: „Sie stehen uns in der EU bei, Sie stehen uns bei den Vereinten Nationen bei, und Sie haben eine starke und prinzipientreue Haltung zum IStGH bezogen.“ Es sei wichtig, „sich gegen diese korrupte Organisation zu erheben, die eine Demokratie, die sich im Kampf um ihre bloße Existenz herausgefordert sieht, mit den furchtbarsten terroristischen Mächten auf der Erde gleichsetzt“.

Der israelische Premierminister lobte Ungarns klare Haltung gegen Antisemitismus: „Sie erkennen an, dass sich Antisemitismus heute als Antizionismus maskiert.“

Das Land kümmere sich auch um Israels Fußballmannschaften, die wegen des Krieges ihre Heimspiele im Ausland austragen müssen, ergänzte Netanjahu. Die Spiele finden in Ungarn statt, auch bei anderen Sportarten. „Das ist ein Zeichen tiefer Freundschaft.“

„Gemeinsamer Kampf für jüdisch-christliche Zivilisation“

Er ging auf die bilaterale Zusammenarbeit, etwa in den Bereichen Wirtschaft und Tourismus, ein und fügte an: „Unsere Zusammenarbeit geht tiefer, weil wir meiner Meinung nach einen ähnlichen Kampf um die Zukunft unserer gemeinsamen Zivilisation kämpfen. Unserer jüdisch-christlichen Zivilisation, der westlichen Zivilisation, wie wir sie verstehen. Sie wird gerade jetzt aus einer machtvollen Ecke angegriffen, und das ist der radikale Islam.“ Der Iran führe Organisationen wie die Hisbollah, die Hamas oder die Huthis im Jemen an.

Netanjahu sagte, er wisse schon einiges über Ungarn, könne aber noch viel lernen: „Auf dem Weg hierher erzählte mir Premierminister Orbán, dass in diesem Saal Beethoven Klavier gespielt hat. Ich wusste das nicht.“ Falls einer der anwesenden Israelis es gewusst habe, erhalte er Bonuspunkte. Sowohl Ungarn als auch Israel hätten ein reichhaltiges kulturelles Erbe. (eh)

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8 Antworten

  1. Ich freue mich und bin so dankbar, dass Herr Netanjahu in Herrn Orban solch einen verlässlichen Unterstützer hat und umgekehrt. Meine Hochachtung und meine Gebete für beide !

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    1. Trump und Putin werden jubeln, wer Orban als Freund braucht sollte sich mal über sich seine Politik ernsthafte Gedanken machen, aber Eigenreflexion war noch nie Netanjahus Stärke, Schade für die friedliebenden Israelis, die sowohl die Geiseln freibekommen möchten, aber vor allem über die Zeit nach diesem furchtbaren Krieg hinsausdenken

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      1. @Peter
        Es stimmt, Orban regiert sein Land mit autoritären Methoden und es gibt viele Verstöße gegen europäische Regeln. Das ist in Russland auch so und trotzdem hatte DE jahrelang gute Beziehungen dorthin, zumindest mit Schröder.
        Aber wäre Ihnen lieber gewesen, Nethanjahu wäre verhaftet worden? Nethanjahu kann sich Freundschaften momentan nicht aussuchen. Kritiker werden sagen, er macht sich vom Teufel abhängig. Ich bin einfach nur dankbar, dass er in Ungarn ein freier Mann bleibt. Bei uns in DE kann ich es mir mit der Kritik der SPD und Grünen nicht vorstellen und ich weiß nicht, welche Macht Merz da hat. Ich würde ihm nicht raten, herzukommen.

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  2. >Orbán betonte, in keinem europäischen Land seien Juden so sicher wie in Ungarn.< Leider hört man solche Worte von unseren politischen Eliten nicht! Staatsräson? Oder Heuchelei? Wäre Netanjahu nach Deutschland gekommen, hätten die Handschellen geklickt.

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  3. Gerade weil ich in der Zeit um 2009 einen unvorstellbar tief im Volk verwurzelten Antisemitismus erlebte, freue ich mich, das jetzt eine durchaus umstrittene Regierung in Ungarn einen ganz anderen Kurs hat und an Israels Seite steht, das ist gut für beide Völker.

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  4. Bei seinem Besuch in Ungarn muss sich Netanjahu keine Gedanken um den Haftbefehl machen und die Juden brauchen dort keinen Polizeischutz.

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  5. Ja, IGH ist in dem Fall eine Schande.
    OT: ICEJ: Erdogan betete für die Vernichtung Israels. Die Pal Lobby in der BRD stehen nicht zu Demonstranten in Gaza nur zur Hamas.
    Shalom

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  6. Für soviele Menschen scheint Netanjahu ein Feindbild zu sein.
    Ein demokratisch gewählter PM, der eins ums andere wiedergewählt wurde.
    Einen, den die Hamas ebenso hasst, wie die LINKEN Israels und auch außerhalb.
    Ihm werden alle möglichen und unmöglichen Vergehen unterjubelt, bis dahin, daß man ihn gerne vor Gericht stellt, und am liebsten im Gefängnis sehen würde, obwohl man ihm bis zum heutigen Tag trotz vieler Versuche NICHTS handfeszes nachweisen konnte.
    PM Netanjahu hat mit unterschiedlichen Koalitionen seit vielen Jahren zusammen gearbeitet, mit Ausnahme der LINKEN scheint es offensichtlich zu funktionieren.
    Vllt sollten seine hasserfüllten Kritiker mal auf die Idee kommen, und Selbstreflexion und -kritik betreiben.
    Nach Jahrzehnten, in denen ich auch die israel. Politik verfolge, kann ich noch immer nichts „dramatisch anstößiges“ an ihm finden.
    Ich bin gerade durch die vergangenen Jahre eher überzeugt, daß er der richtige Mann, am richtigen Ort und zum richtigen Zeitpunkt ist.
    Der HERR segne und schütze Ihn, sein Kabinett, die Knesset und das jüdische Volk in Israel und an allen Orten.

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